Presse-Artikel

„Eine tiefempfundene Verbundenheit mit der Natur“

Stuhrer Künstlerin Anke Wollgast eröffnet Ausstellung „Feder Fell Haut“ in Volksbank

Kreiszeitung vom 17.11.2018

Von Luka Spahr

STUHR - Dass Anke Wollgast ihr Talent in die sprichwörtliche Wiege gelegt bekommen hat, lässt sich mit Fug und Recht behaupten. Während anderen Kindern Märchen zum Einschlafen vorgelesen wurden, zeichnete ihre Oma damals die Geschichten kurzerhand auf Papier. Heute, viele Jahre später, ist es Wollgast selbst, die Geschichten mit Öl und Pastellkreide auf Leinwänden entstehen lässt. In der Stuhrer Volksbank an der Blockener Straße 2 eröffnete die Künstlerin jetzt ihre Ausstellung „Feder Fell Haut“.

Der Name ist Programm. Die Bilder der gebürtigen Bremerin drehen sich um indianische Spiritualität und die Verbindung zwischen Mensch, Natur und Tieren. Auch für die Volksbank eine Ausstellung der etwas anderen Art.„Das ist wirklich ein besonderes Thema“, unterstreicht auch Markus Vogelsang.

Er war derjenige, der die Ausstellung erst ermöglicht hat. Denn: Wollgast ist Kundin in eben jener Volksbank und Vogelsang ihr Berater. Zufällig seien sie im Gespräch auf ihr Hobby gekommen. Da habe er nicht lange gezögert und Wollgast kurzerhand gefragt, ob sie nicht Teil der Volksbank-Tradition in Stuhr werden wolle. Jedes Jahr gibt es eine Ausstellung in den Geschäftsräumen.

Auf 26 Bildern blicken von nun an zehn majestätische Indianer-Häuptlinge auf die Bankkunden herab, und Regenbogenbrücken ebnen zahlreichen Tieren den Weg in den Himmel. Jedes der bunten Bilder hat eine Bedeutung. Da sind zum Beispiel die sagenumwobenen Indianer Chief Poundmaker oder Chief Bear.

Doch wie kommt Wollgast auf dieses Thema? Als junger Mensch habe sie sich auf der Suche nach einer sinnstiftenden Religion befunden, erklärt die Künstlerin, die seit 23 Jahren in Stuhr wohnt. Im indianischen Glauben habe sie ihre „Wurzel“ gefunden, so Wollgast. Der Glaube kenne keine Verbote, lediglich Leitregeln. Etwas, mit dem sich Wollgast identifizieren konnte. Als „Kind der 60er“ habe sie sich darüber hinaus viel mit den Disney-Filmen jener Zeit beschäftigt. „Die weiße Feder“ oder auch die Serie „Bonanza“ faszinierten sie. Seitdem widmete sie sich ihren großen Hobbys: dem indianischen Glauben und der amerikanischen Sprache. In Facebook-Gruppen tauscht sie sich regelmäßig mit Native Americans aus der ganzen Welt aus. Sie geben ihr Inspiration für neue Bilder.

Beruflich sah es bei Wollgast nicht immer gut aus, wie Volksbank-Filialleiterin Susanne Schröder bei der Vernissage am Donnerstagabend erzählte. Sie habe als Grafikerin, Programmiererin und Auslandskorrespondentin gearbeitet. Dann war sie lange arbeitssuchend. Als schließlich ihr Nachbar verstarb und sie auf der Beerdigung erfuhr, dass dieser gemalt hatte und es keiner wusste, entwickelte sie neue Energie für ihr Hobby. Mit ihrem Online-Shop art@soul machte sie es zu ihrem Beruf. Auch Auftragsarbeiten bietet sie an.

In der Ausstellung „Feder Fell Haut“ will sie die Beziehung der Indianer zu den Tieren aufzeigen. „Sie waren zwar keine Vegetarier, hatten aber einen ganz anderen Bezug zur Natur“, erzählt Wollgast. Ihre Bilder zeigen, wie die Tiere nach dem Glauben der Indianer auf Brücken in den Himmel wandern und Häuptlinge sich vor der Natur verneigen. An der einen oder anderen Stelle bringt die Stuhrerin dabei ihre eigenen Gedanken mit ein. Warum sollten nicht etwa auch unsere heutigen Nutztiere auf einer Regenbogenbrücke in den Himmel wandern?

In ihrer Rede hob Filialleiterin Schröder dabei das hervor, was für sie das Besondere an Anke Wollgast sei: „Bei ihr sehe ich einfach eine tiefempfundene Verbundenheit zu der Natur und den Tieren.“ Die sichtlich gerührte Künstlerin hielt sich im Anschluss bewusst kurz. Immerhin waren auch ein paar besondere Gäste gekommen, die ihr ein breites Lächeln ins Gesicht zauberten. In schwarzen Pullovern, auf denen Wollgasts Bilder abgedruckt sind, hatten einige ihrer Freunde aus den „Native Americans“-Facebook-Gruppen die weitere Anreise auf sich genommen.

Interessierte können die Ausstellung noch bis zum 6. Dezember in der Stuhrer Volksbank besuchen.