Presse-Artikel

„Forderung ist Luftnummer“

Geschäftsführer des Landvolks referiert beim Kommunikationsforum

Kreiszeitung vom 25.10.2018

Von Julia Kreykenbohm

BASSUM -  „Bauern fordern eine Milliarde Euro vom Staat“. Diese Schlagzeile geisterte im Sommer durch die Medien. „Eine Luftnummer“, kommentiert der Geschäftsführer des Landvolkes Niedersachsen, Kreisverband Mittelweser, Olaf Miermeister, trocken. Das Geld reiche nie, um den Landwirten zu helfen. Er skizziert ein ähnliches Beispiel: „In Niedersachsen stehen 36 Millionen Euro für die Landwirte bereit, die Ausfälle wegen der Dürre zu beklagen haben. Es gibt 830000 Betriebe. Würde jeder seinen Teil fordern, bekäme ein Betrieb jeweils 947 Euro – das ist keine Hilfe.“

Wie sehr der ungewöhnlich trockene Sommer den Landwirten zugesetzt hat und wie Bankberater ihnen nun helfen können – das war das Thema von Miermeister und seinem Mitreferenten Sönke Ritterhoff, Agrarberater bei der Volksbank, bei dem gestrigen Kommunikationsforum. Bereits zum achten Mal lud die Volksbank Bassum Lehrer verschiedener Schulen ein, sich durch Vorträge neue Impulse und Denkanstöße geben zu lassen, um diese dann an ihre Schüler weiterzugeben. 50 Teilnehmer folgten der Einladung. „Hinzu kommt, dass die Kriterien, die die Landwirte erfüllen müssen, um an das Geld zu kommen, so umfangreich sind, dass es nur wenige leisten können“, so Miermeister. „Die brauchen unter anderem einen guten Bank und Steuerberater.“ Ritterhoff ergänzt: „Jeder Landwirt, der eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach hat, fällt schon mal raus.“

Ritterhoff stellt sich darauf ein, dass nun zum Ende des Jahres viele Landwirte aus dem Landkreis bei ihm und seinen Kollegen um Rat suchen. Eine schwierige Aufgabe, denn „wir müssen jeden Betrieb einzeln anschauen. Die Bauern sind außerdem extrem psychisch belastet – durch die Ausfälle und auch die öffentlichen Anfeindungen.“ Ritterhoff beschäftigt aber nicht nur der Ist-Zustand, er schaut auch mit den Landwirten in die Zukunft und fragt: „Wie bist du abgesichert?“

Und ein Ende der Misere sei noch nicht in Sicht. „Der Boden ist noch immer so trocken, dass das Wintergetreide vielleicht nicht keimt“, sagt Miermeister. Die Betroffenheit bei den Landwirten im Landkreis sei unterschiedlich, weil der Boden unterschiedlich sei. „Wir haben Lehmboden, der das Wasser speichert, und Sandboden, bei dem es schlechter aussieht.“

Ausblick auf die Aktienmärkte

Doch Miermeister und Ritterhoff sind nicht die einzigen Referenten an diesem Abend. Ebenfalls wieder mit dabei ist Bankenbetreuer Reiner Dohrmann, der seit acht Jahren immer einen Ausblick über die Entwicklung der Aktienmärkte bis zum Ende des Jahres gibt. Und da werde sich einiges tun: „Brexit, Trump, die Schuldenkrise in Italien“, zählt Dohrmann ein paar Faktoren auf. Er steigt jedoch mit einem Rückblick ein, in dem er überprüft, ob und inwiefern seine vorherigen Voraussagen eingetroffen sind. Darauf warteten auch ganz gespannt viele Kollegen, die das Kommunikationsforum jedes Jahr besuchen, verrät Sonja Fleck von der BBS Syke. Die Veranstaltung sei sehr beliebt. „Sie melden sich dafür, weil sie immer up to date sein möchten.“

Bernhard Zahn, stellvertretender Schulleiter der BBS, weiß, dass seinen Lehrern noch ein weiteres Thema auf den Nägeln brennt: „Sie wollen mehr über das Cum-Ex-Geschäft erfahren, weil die Schüler sehr daran interessiert sind. Die fragen sich, wie das funktioniert.“

Die Vernetzung von Schule und Wirtschaft, die durch das Kommunikationsforum vorangetrieben werden soll, wird von allen Beteiligten gelobt. „In den Berufen ändert sich sehr viel, da müssen sich die Lehrer qualifizieren“, so Zahn und Fleck ergänzt: „Die Kollegen kriegen etwas aus der Praxis mit und können das in ihrem Unterricht verwenden.“