Presse-Artikel

„Genossenschaftsidee ist absolut modern“

Volksbank-Vorstand Carl-Ludwig Behrens über Fusionen, Gebühren und Gesetze

Kreiszeitung vom 11.12.2017

BASSUM - Seit 30 Jahren ist Carl-Ludwig Behrens Volksbank-Vorstand – und damit einer der dienstältesten in der Region. Der 62-Jährige steht heute, gemeinsam mit Markus Lüers und Bernd Meyer, an der Spitze der Volksbank Bassum-Syke-Stuhr-Weyhe und bereitet sich auf einen neuen Lebensabschnitt vor. Nach insgesamt 42-jährigem Wirken als Banker verabschiedet sich Behrens am 21. Dezember in den Ruhestand. Im Interview nimmt er Stellung zu aktuellen Themen und Herausforderungen. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Herr Behrens, wäre eine geglückte Fusion der Volksbank Bassum-Syke-Stuhr-Weyhe mit der Volksbank Delmenhorst-Schierbrok ein schönes Abschiedsgeschenk für Sie gewesen?

Carl-Ludwig Behrens: Von der Idee, die dahinter steckte, bin ich nach wie vor überzeugt. Aber man muss die Realität einfach berücksichtigen. Das ist wie in einer Ehe: Es muss wirklich alles passen. Und das war leider nicht der Fall. Das müssen wir akzeptieren.

Was macht den Genossenschaftsbanken das Leben so schwer?

Behrens: Die überbordende Regulatorik ist etwas, das uns das Leben schwer macht – aber auch den Kunden. Bei einer Wohnungsbau-Finanzierung zum Beispiel bekommt der Kunde am Ende einen Vertragssatz mit 60 Seiten. Das nervt. Auf der anderen Seite glaube ich, dass Genossenschaftsbanken durchaus selbstbewusst in die Zukunft schauen können. Ich finde die Idee der Genossenschaft, die inzwischen sogar immaterielles Weltkulturerbe ist, zurzeit so modern wie lange nicht: Was einer nicht schafft, das schaffen viele. Es ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Bei uns redet kein Aktionär, keine Heuschrecke und kein Politiker mit. Bei uns reden unsere rund 17000 Mitglieder. Wie modern die Genossenschaftsidee immer noch und gerade heute ist, zeigt sich zum Beispiel in den ländlichen Regionen der neuen Bundesländer. Dort entstehen zurzeit Genossenschaften zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung.

Negativ-Zinsen auf Einlagen, also eine Art „Geldaufbewahrungsgebühr“ – droht das auch den Volksbanken?

Behrens: Es gibt Volksbanken, die das bereits machen. Und betriebswirtschaftlich ist das auch zu begründen. Wir müssen die weitere Entwicklung abwarten. Ich sehe das ja künftig aus einer anderen Perspektive (lacht).

An welche Zeit, sprich Geschäftsphase, erinnern Sie sich am liebsten?

Behrens: Da gibt es viele Dinge. In der kleinen Volksbank Bassum, die damals 40 Mitarbeiter hatte, hat die Arbeit besonders Spaß gemacht. Man hat alles mitbekommen. Nach dem Motto: „Hier kocht der Chef noch selbst.“ Die Fusion mit den Volksbanken Stuhr und Syke, zu der damals ja schon Weyhe gehörte, war 1993 natürlich auch eine spannende Zeit. Das ist erfolgreich gelaufen! Darauf kann man mit Zufriedenheit zurückblicken. 2007 und 2008, nach dem Platzen der Immobilienblase in den USA, sind Banken weltweit in eine tiefe Vertrauenskrise gefallen. Davon waren die Genossenschaftsbanken Gott sei Dank nur indirekt betroffen. Bei allem Stress, den wir damals auch hatten: Wir waren schon stolz darauf, Genossenschaftsbanker zu sein.

Wo sehen Sie dringenden Handlungsbedarf für den Gesetzgeber, sprich für die EU und die Bundesregierung?

Behrens: Ich könnte Ihnen da einen ganzen Strauß nennen, aber das würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Erreicht ist mittlerweile ja die sogenannte Proportionalität in der Bankenaufsicht. Das heißt, dass unsere regional tätige Volksbank mit anderen Maßstäben gemessen wird als eine international tätige Bank. Das rechte Augenmaß dafür einzufordern, bleibt aber eine Dauerbaustelle.

Wenn Sie selbst ein Banken-Gesetz erlassen könnten, welches wäre das?

Behrens: (lacht) Wir haben schon genug! Ich würde welche abschaffen.

Und welches zuerst?

Behrens: Es ist ja nicht das Gesetz. Aber es ist dringend erforderlich, diesen Gesetzeswust zu entrümpeln, um mehr Praxistauglichkeit zu erreichen.

Glauben Sie, dass in ferner Zukunft Volksbanken und Sparkassen in der Region zu einer Bank verschmelzen könnten?

Behrens: Ich glaube das eher nicht. Aber wer weiß, was in 30 Jahren ist...

Was haben Sie sich für den Ruhestand vorgenommen?

Behrens: Ich freue mich auf die Zeit, über die ich frei bestimmen kann. An dieser Stelle zitiere ich ganz bewusst den ehemaligen amerikanischen Präsidenten Eisenhower. Der hat auf diese Frage geantwortet: „Ich würde mich in den Schaukelstuhl auf die Veranda setzen und nach Wochen überlegen, ob ich ganz langsam anfange zu schaukeln."