Presse-Artikel

Banken-Hochzeit im April

Volksbank-Vertreter verabschieden Jahresabschluss / „Wie ticken die Amis?“

Kreiszeitung vom 10.06.2017 von ANKE SEIDEL

SYKE/BASSUM - Dynamische Zeiten für die Volksbank Syke mit Hauptsitz in Bassum: Im April will sie mit ihrer Nachbarin Delmenhorst-Schierbrok zur neuen Volksbank Delmenhorst-Syke verschmelzen. Ihre Bilanzsumme hat die Volksbank Syke – trotz nicht enden wollender Niedrigzinszeiten – 2016 um 42 Millionen auf 779 Millionen Euro erhöht. Diese Zahlen nannte Volksbank-Vorstand Carl-Ludwig Behrens am Donnerstag im Syker Theater.

Vor 167 Vertretern, 77 Mitarbeitern und 39 Gästen präsentierte Behrens das Jahresergebnis der Volksbank Syke – zum letzten Mal, denn er verabschiedet sich zum Ende des Jahres in den Ruhestand. Das kündigte Carsten Fischer als Vorsitzender des Aufsichtsrats an. Er leitete die Vertreterversammlung.

An der Spitze der neuen Volksbank Delmenhorst-Syke soll künftig ein Kleeblatt stehen: Markus Lüers und Bernd Meyer (Vorstände der Volksbank Syke) sowie Wolfgang Etrich und Martin Versemann (Vorstände Volksbank Delmenhorst-Schierbrok). Übernehmende Bank ist die Volksbank Syke.

Doch zuvor müssen die Vertreterversammlungen den alles entscheidenden Fusionsbeschluss fassen – im April. „Wir müssen nicht fusionieren. Wir wollen!“, betonte Behrens. Ziel ist es, sich als gemeinsame, starke Bank auf die Herausforderungen der Zukunft auszurichten.

Denn die Banken-Hochzeit fällt in eine Zeit, deren Dynamik Behrens so charakterisierte: „Solide Banken leiden unter Niedrigzinsen, Bürger stöhnen über neue Bankgebühren.“ Der Abschied vom „Billiggeld“, sprich die Zinswende, liege noch in weiter Ferne, schätzte der Bankvorstand – und betonte: „Wir werden aber auch in Zukunft keine Gebühren für die Auszahlung an Geldautomaten nehmen.“

Die 17.103 Mitglieder der Volksbank Syke erhalten aus dem Jahres-Bilanzgewinn von 842.220 Euro eine Dividende von vier Prozent auf ihre Geschäftsguthaben. Der Rest fließt in die Rücklagen. Das beschlossen die Vertreter, bevor sie Martina Jordan-Just, Lars Nordbruch und Hans-Herbert Struß als Mitglieder des Aufsichtsrats für drei weitere Jahre ins Amt wählten.

Die symbolischen 100 Tage im Amt hat US-Präsident Donald Trump hinter sich – und im Umgang mit Medien, Menschen sowie Machthabern für eine bisher undenkbare Dynamik gesorgt. Wie konnte Trump überhaupt ins Weiße Haus kommen? Wie lange bleibt er? Was bedeutet Trumps Handeln für Europa und Deutschland? Vor allem aber: „Was ist mit den Amis los?“ Unter diesem Titel analysierte Dr. Christoph von Marschall, Diplomatischer Korrespondent der Chefredaktion des Berliner „Tagesspiegel”, die Lage. Acht Jahre lang lebte er in den USA, hatte Zugang zum Weißen Haus sowie zum Präsidenten-Paar Barack und Michelle Obama. Der White House Correspondent (bis 2013) bezog am Ende klar Position: „Trump ist eine Herausforderung für Europa, damit wir besser werden.“ Nicht nur reden, sondern machen – das könnten Politiker in Europa von den Amerikanern lernen.

Trump als Präsident – das sei nur möglich geworden, weil die Amerikaner „völlig anders ticken als wir“. Demnach war es vor allem die bodenständige, schlichte und einfach strukturierte Landbevölkerung, die diesen Immobilien-Mogul und Mann von der Mattscheibe wählte. Trump trat regelmäßig in einer TV-Reality-Show auf.

Warum es möglich war, dass seine Konkurrentin Hillary Clinton trotz insgesamt drei Millionen Stimmen mehr die Präsidentschaftswahl verlor, erklärte von Marschall mit dem amerikanischen Wahlsystem und in einem Satz: „The Winner takes it all“ – wer die Stimmenmehrheit in einem Bundesstaat gewinnt, bekommt ihnam Ende ganz zu gesprochen. Tiefe Einblicke in die amerikanische Mentalität gab der Referent – in eine Denke, die sich von der deutschen enorm unterscheidet und einen Präsidenten wie Trump möglich machte. Der müsse auf seine Familie setzen, weil er – als Kandidat ohne jegliche politische Erfahrung – innerhalb der Republikaner keinen nachhaltigen Rückhalt habe. Mehr noch: „Er hat Wahlkampf auch gegen die Spitze der Republikaner geführt.“

Dass es gelingen könnte, ihn wegen inakzeptablen Verhaltens des Amtes zu entheben, glaubt von Marschall nicht – ebenso wenig, dass der 70-Jährige selbst zurücktritt: „Das passt nicht zu diesem Narzissmus.“ Deshalb sei davon auszugehen, dass Trump vier Jahre im Amt bleibe – trotz seiner Fähigkeit, jeden Konflikt noch zu verschärfen und selbst aus nur Skeptikern veritable Feinde zu machen. Aber: „Der Präsident ist nur ein Mitspieler von mehreren wichtigen Mitspielern. Die Gewaltenteilung setze ihm Grenzen.