Presse-Artikel

Schön, weiblich, kahl

Fotoausstellung Schönlinge kommt am 22. März in die Volksbank Bassum

Kreiszeitung vom 10.03.2017

Lisa Schädler aus Bassum (r.) ist eine von 27 Frauen, die die Fotografin Ingrid Hagenhenrich für die Ausstellung Schönlinge fotografiert hat. - Foto: Albrecht

Von Frauke Albrecht

BASSUM - Wie verletzlich Schönheit sein kann, zeigt eine Ausstellung, die am 22. März in den Räumen der Bassumer Volksbank eröffnet wird. Sie heißt Schönlinge und handelt von Mut, Schönheit und der Autoimmunkrankheit Alopecia Areata. Im Mittelpunkt stehen 27 selbstbewusste Frauen, die ihr Leben ohne Haare leben. Sie sind an kreisrundem Haarausfall erkrankt.

Diese Krankheit, von der in Deutschland 1,5 Millionen Menschen betroffen sind und die zum kompletten Haarverlust führen kann, wird meist als Krebserkrankung missinterpretiert oder als rein kosmetisches Problem abgetan. Das zu ändern, ist das Ziel der Ausstellung.

Eine der Protagonistinnen der Ausstellung ist Lisa Schädler aus Bassum – wir berichteten bereits. Ihre Mutter hatte 2015 von dem Foto- und Mutmachprojekt gehört und ihre Tochter gefragt, ob sie mitmachen möchte. Lisa wollte und hat es nicht bereut.

Es geht eben um mehr als nur um Fotos. Die Betroffenen haben durch das Fotoshooting ihre schönen Seiten wiederentdeckt und den Mut gefasst, sich „oben ohne“ zu präsentieren.

Initiatorinnen der Ausstellung sind Lisa Haalck, selbst ein Schönling, und ihre Freundin und Fotografin Ingrid Hagenhenrich. Die beiden reisten durch Deutschland, Luxemburg und Österreich, um betroffene Frauen zu fotografieren – sie fanden Schönheit und Weiblichkeit, aber auch viel Unsicherheit und Selbstzweifel.

Ein Foto- und Mutmachprojekt

„Viele Frauen verstecken sich“, weiß auch die Bassumerin. „Ich habe Frauen kennengelernt, die sich sogar dem Partner nur mit Perücke zeigen. Die Krankheit kann eine ungeheure Belastung sein.“ Ihr hat das Projekt geholfen, sich noch mehr zu akzeptieren. Lisa geht öfters auch schon mal ohne Perücke raus.

„Erstaunlich war, dass sich nach den ersten Zeitungsberichten auch betroffene Frauen aus der Region gemeldet haben. Unter anderem eine Schülerin aus Syke. Die Krankheit ist verbreiteter, als man denkt“, erzählt die 21-Jährige.

Sie freut sich, dass die Ausstellung in ihrem Heimatort gezeigt wird. Gestern trafen die ersten Kisten mit Fotos ein. Zusammen mit der Fotografin sah sich die junge Frau den Ausstellungsort an. Insgesamt gibt es von den 27 Frauen jeweils drei Bilder. Darunter sind große Porträts. „Dafür brauchen wir Platz“, sagt Hagenhenrich.

Sie wollte die schöne und weibliche Seite der Frauen zeigen. Dafür war es erforderlich, sie in einer intimen Atmosphäre zu fotografieren, in der sie sich sicher fühlen – in ihrem Zuhause. Lisa Schädler ist mit ihrem Pferd Silverado zu sehen.

„Irgendwann kommt der Moment, an dem die Frauen loslassen. Genau den habe ich abgepasst“, erzählt die Fotografin. Es habe immer geklappt.

Der Funke springt auch beim Publikum über. Die bisherigen Reaktionen sind durchweg positiv. „Wenn ich unser Gästebuch lese, kommen mir oft die Tränen“, erzählt Hagenhenrich. Die Ausstellung berührt.

Jede der abgebildeten Frauen hat sich einen Leitsatz ausgesucht. „Auch der packt“, sagt die Fotografin. „Ich bin nicht meine Haare“ ist zu lesen. Ein anderer lautet: „Ich bin so gemeint, wie ich bin.“ Lisa Schädler hat für sich entdeckt: „Als die Haare ab waren, war es eine Erleichterung. Weniger Aufwand mit einem viel besseren Ergebnis.“ Sie erinnert aber auch an viele schreckliche Momente, als sie morgens in der Dusche oder auf dem Kopfkissen die ausgefallenen Haarbüschel entdeckte.

Die Ausstellung zeigt Frauen in verschiedenen Stadien ihrer Krankheit – und jede geht damit anders um.

Eröffnet wurde Schönlinge im vergangenen Jahr in Münster. Zweite Station war Kiel, nun ist Bassum dran, bevor es weiter geht nach Berlin und Wien. „Wir freuen uns sehr, dass wir die Bilder hier zeigen können“, sagt Bassums Gleichstellungsbeauftragte Christine Gaumann. Die Stadt hat das Projekt unterstützt und mit der Volksbank einen guten Kooperationspartner gefunden. Schirmherr ist Bürgermeister Christian Porsch.

Eröffnet wird die Ausstellung am 22. März um 18 Uhr. Alle Beteiligten hoffen auf viele Gäste. Neben den wunderschönen Bildern gibt es auch jede Menge Infomaterial über die Krankheit. Zur Ausstellungseröffnung wird auch der Bremer Dermatologe Dr. Uwe Schwichtenberg erwartet.