Presse-Artikel

Figuren stellen alltägliche Szenen dar

Zwölftklässler des Gymnasiums Syke zeigen lebensgroße Kunstwerke in der Volksbank

Syker-Kurier vom 24.02.2017

VON DOMINIK FLINKERT

Arne Schumacher (rechts) nimmt neben der Figur PLatz, an deren Gestaltung er beteioligt war. Manuel Schulenberg steht dahinter. Foto: Dominik Flinkert

Syke. Es wirkt so, als herrsche in der Volksbank an der Syker Hauptstraße rund um die Uhr Kundenbetrieb. Doch erst bei genauer Betrachtung wird klar, dass die lebensgroßen Gestalten keine echten Menschen sind. Die Figuren aus transparentem und braunem Paketklebeband haben Zwölftklässler des Gymnasiums Syke gestaltet. Seit Donnerstag sind sie in dem Geldinstitut zu sehen.

Die Schüler aus zwei Kunst-Grundkursen bekamen vor einem halben Jahr von ihrem Lehrer Matthias Radeck die Aufgabe, Posen von Schülern, die sich in der Pausenhalle der Schule aufhielten, in Form von Kunstwerken nachzustellen. Nach Angaben von Radeck basiert die künstlerische Darstellungsweise auf dem amerikanischen Popartkünstler George Segal. Dieser habe in den 60er-Jahren mit Gipsbandagen direkte Körperabformungen vorgenommen. Segal habe reale Gegenstände und Räume in seine Umgebungen einbezogen und gestaltet. Auch die Plastiken der Schüler stellten nichts Spektakuläres dar, sondern sollten das alltägliche Leben auffangen, das das Auge schon nicht mehr wahrnimmt. Die Figuren wirkten fast trostlos.

Das verstärke sich noch, weil die Kommunikation unter den Figuren fehlt. Die Anonymität und Isolation jeder von ihnen würden das melancholische Gefüge der Szene anheben. Die Figuren hätten durch den Arbeitsprozess einen unmittelbaren Realitätsbezug – andererseits verfremde und verallgemeinere das farblose und triviale Material die dargestellten Szenen. Die „monochrome Haut“ der Kunstgestalten solle den natürlichen Eindruck ausblenden und den fiktionalen Eindruck der Szenen verstärken.

Radeck sagte, er sei im Gespräch mit Lehrerkollegen auf die Idee gekommen, dieses Kunstprojekt umzusetzen. „Ich mache gerne Projekte, die über ein halbes Jahr gehen und finde es gut, wenn man ein Ergebnis hat, das man ausstellen kann“, sagte Radeck. Der Gymnasiast Arne Schumacher fertigte mit Malte Löhmann, Maurice Jackisch und Berkay Simsek eine Figur, die im Sitzen ein Bein über das andere geschlagen hat und die Arme vor dem Körper verschränkt.

Beim Gestalten sei Maurice das Modell gewesen, erzählte Arne. Einer aus der Gruppe habe mit dem Klebeband modelliert, ein weiterer das Klebeband geschnitten. Der Dritte habe die Körperteile für die Figur zusammengeklebt. „Für das Gesicht haben wir Vorlage-Formen genommen“, sagte Arne. Am schwersten sei es gewesen, die Hände und Finger zu formen. Dieses Kunstprojekt begeisterte ihn, erklärt der Schüler, es sei „mal was ganz Neues“. Denn zuvor seien nur Malen und Zeichnen Bestandteil des Unterrichts gewesen.

Auch Manuel Schulenberg, Privatkundenbetreuer bei der Volksbank, findet da ungewöhnliche Kunstprojekt toll. Er sagte: „Sonst stellen oft ältere Künstler bei uns aus. Wir sind stolz, dass wir nun mal ein anderes Altersklientel bei uns haben.“ Die Schüler der Kunstkurse beschäftigen sich als nächstes mit Kalligraphie.

Die Ausstellung können sich Interessierte bis Freitag, 10. März, während der Öffnungszeiten der Volksbank (Hauptstraße 30) anschauen – montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr sowie montags, dienstags, donnerstags und freitags außerdem von 14 bis 17 Uhr.