Presse-Artikel

"Konflikte sind Chancen"

Professorin Cristina Lenz erklärt, wie aus Problemen kreative Erfolge entstehen

Kreiszeitung vom 18.02.2017

VON ANKE SEIDEL

Freuen sich über den Besuch von Professorin Cristina Lenz: (v.l.) Volksbank-Vorstand Carl-Ludwig Behrens, Günter Klingenberg (Wirtschafsförderungsgesellschaft), Bassums Bürgermeister Christian Porsch und Alena Grützmacher (Wirtschafsförderin). Foto: sdl

BASSUM - „Konflikte sind Chancen“, sagt Professorin Cristina Lenz. Und von solchen Chancen scheint es viele zu geben in Firmen und Wirtschaftsunternehmen – auch im Landkreis Diepholz. Darauf lässt die Resonanz auf den Vortragsabend zum gleichnamigen Thema schließen. Vor fast 90 Interessierten erläutert die Rechtsanwältin, Schlichterin, Wirtschaftsmediatorin und Lehrtrainerin aus Bayern, wie Menschen diese Chancen nutzen und wie daraus kreative Erfolge entstehen können.

Dass der Bassumer Volksbank-Vorstand Carl-Ludwig Behrens sowie Günter Klingenberg als Chef der kreiseigenen Wirtschaftsförderungsgesellschaft die Gäste in einem Konferenzraum begrüßen, der einst ein Gefängnis war, wirkt an diesem Donnerstagabend wie ein Symbol – wenn man einen schweren Konflikt als psychisches „Gefängnis“ betrachtet. Viel zu oft stehen sich die Kontrahten am Ende vor Gericht gegenüber. Dort gibt es aber nur Gewinner oder Verlierer – in jedem Fall Kosten.

Dass mediatives Know-How Konflikte nicht nur im Wirtschaftsleben, sondern auch in der Familie nachhaltig lösen kann, erläutert die Professorin mit Humor, Temperament und immer wieder im Dialog mit ihren Zuhörern. Stufe eins: Ohne gründliche Vorbereitung kein Erfolg. Deshalb müssen die Rahmenbedingungen für die Mediation (Ort, Teilnehmer, Zeitfenster) genau festgesteckt sein, bevor Konfliktthemen sowie Zahlen, Daten, Fakten und Sichtweisen der Parteien auf den sprichwörtlichen Tisch kommen. Elementar dabei: der Perspektivwechsel.

Ist das geschafft, prüfen die Parteien ihre Optionen: Welche Lösungen sind denkbar – und wer profitiert in welcher Form? Das Ziel ist klar: Eine Win-Win-Situation, bei der es keine Verlierer gibt, und die ein reibungsloses Miteinander aller Beteiligten ermöglicht. Doch ohne genaue Festlegung der Lösung und der Umsetzungskontrolle geht das nicht.

Diese Struktur, die Cristina Lenz ihren Zuhörern explizit erläutert, ist eine der drei tragenden Säulen des Verfahrens. Die zweite: Techniken – vor allem für erfolgreiche Kommunikation. Denn genau das ist der bittere Kern eines jeden Konflikts: Das Missverständnis, das aus konträrer Bewertung resultiert. Deshalb gilt im Konfliktmanagement die Formel „nicht besser, nicht schlechter, sondern anders.“ Und, so stellt Lenz klar: Bei aller Unterschiedlichkeit von Menschen geht es darum, sich nicht nur selbst zu verstehen – sondern auch sein Gegenüber. Aber wie tickt dieses Gegenüber eigentlich? Wer das herausfinden will, muss die richtigen Fragen stellen – systemisch und lösungsorientiert. Vor allem aber muss er „loopen“: Gemeint ist damit, das Gesagte des Gegenübers mit eigenen Worten zu wiederholen, „aber nicht nachzuplappern“, betont Cristina Lenz. Der Effekt dieses reflektierten Wiederholens ist enorm: Das Gegenüber fühlt sich verstanden – und man selbst hat verstanden. Möglich ist das allerdings nur, wenn man Empathie – Mitgefühl – für den anderen entwickeln kann. Sie ist der Schlüssel zu den Menschen mit ihren unterschiedlichen Charakter-Strukturen.

Cristina Lenz hat sie in vier Typen eingeteilt: Da ist der Macher, der zielstrebig und entschlossen handelt, um schnell Ergebnisse zu haben. Ganz anders als der Stratege, der konzentriert und genau, extrem gut vorbereitet ist gerne alles vorher plant. Der Visionär dagegen hat viele Ideen, ist extrem begeisterungsfähig und will kreativ gestalten. Und schließlich der Diplomat: zugewandt, geduldig und zurückhaltend – Harmonie ist ihm wichtig. Klar, dass diese vier Typen in den unterschiedlichen Menschen unterschiedlich ausgeprägt sind. Deshalb stellt die Professorin in konkreten Sätzen erfolgreiche – weil unmissverständliche und klar strukturierte – Kommunikationsmodelle vor. Dritte Säule der erfolgreichen Mediation: die Haltung. Genau die ist nicht nur in einem Konflikt, sondern auch in einer guten Führung elementar, erfahren die Zuhörer.