Presse-Artikel

Gar nicht steif und langweilig

Azubi-Botschafter Mirsad Berisa: „Ich bin mehr als Banker, ich schätze Vielfalt“

Kreiszeitung vom 03.02.2017

Von Theo Wilke
BASSUM/TWISTRINGEN. Als „steif, langweilig und seit der Finanzmarktkrise nachhaltig belastet“
würden häufig junge Menschen das Image von Geldinstituten beschreiben, sagt Mirsad Berisa. Der Twistringer, Auszubildender bei der Volksbank in Bassum, weiß es aber besser. Der 20-Jährige ist einer von fünf frischgebackenen „Botschaftern“ für bundesweit rund 11000 Azubis der Volks- und
Raiffeisenbanken. Die Jury in Berlin überzeugte Berisa mit seinem Slogan „ich bin mehr als Banker, weil ich Vielfalt schätze, privat und beruflich“.

Als Sohn einer 1990 geflüchteten Familie aus dem heutigen Montenegro engagiert sich der 20-Jährige in Twistringen seit der großen Flüchtlingswelle als Asylbegleiter, Übersetzer für die Caritas und Netzwerker. Der leidenschaftliche Fußballer hat nicht nur seine Eltern und Geschwister stolz gemacht. „Der Papa hat sogar ein paar Tränen verdrückt“, erzählt Berisa. Auch die Kolleginnen und Kollegen in Bassum freuen sich mit ihm.

Im März zum Camp nach Barcelona

„Mirsad Berisa ist unser erster Botschafter, und darauf sind wir ganz stolz“, betont Joachim Seevers, Prokurist und Personalchef bei der Volksbank. Wann habe eine Regionalbank schon mal die seltene Chance, auf Bundesebene wahrgenommen zu werden? Und in Zeiten der Digitalisierung sei es gar nicht so einfach, Jugendliche für den Banker-Beruf zu begeistern.
Berisa, der zurzeit mit zwei weiteren Azubis den Voba-Auftritt bei der Berufsinformationsbörse
(BIB) in Syke vorbereitet, ist Botschafter für ein Jahr – „mit viel Herzblut und frischen Ideen“. Mit
den anderen Vier wird er im März zu einem Camp-Wochenende nach Barcelona reisen, Vorträge hören, auch in den Betrieb einer spanischen Genossenschaftsbank hineinschnuppern.
„Wir wollen die 11000 Azubis vernetzen. Damit fangen wir in Barcelona an“, erklärt der angehende Banker. Die Fünf werden eine Internetplattform entwickeln. Berisa: „Wir werden sehen, wohin die Reise geht.“ Er möchte andere junge Menschen aus seinen Erfahrungen heraus für die Bankenbranche begeistern.

Um das Ausbildungsangebot noch attraktiver und lebendiger zu gestalten, hatten die Volks- und Raiffeisenbanken im August 2016 die Initiave „next“ mit dem Leitgedanken „Werde mehr als Banker“ ins Leben gerufen. „Ich habe mich auf Anregung unserer Ausbilderin Monika Finkmann kurzfristig noch online beworben“, freut sich Mirsad Berisa. Ende September stand fest, dass er es unter 25 Kandidaten geschafft hatte und nach Berlin reisen durfte – 400 Bewerbungen gab es aus ganz Deutschland. „Darüber habe ich mich echt gefreut“, so der 20-Jährige. Anfang Oktober folgte ein Casting-Wochenende für die Botschafter-Anwärter. Der Voba-Jury seien Themen wie Soziale Netzwerke oder auch Gruppenarbeit sehr wichtig gewesen. „Das 30-minütige Interview war auch sehr persönlich“, erzählt Berisa. „Ich fand das richtig cool. ich bin ein Typ, der selbst sagt, wofür er steht.“

Richtig aufgeregt war er Ende Oktober. In der Berufsschule warteten alle gespannt auf eine Nachricht aus Berlin, ob es ihr Mitschüler wohl zum „next“-Botschafter schaffen würde. Und dann im Unterricht der Glückwunsch von der Jury und die Einladung zum Foto- und Videoshooting. Berisa: „Diesen Moment werde ich nie vergessen. Danach habe ich noch eine Klausur geschrieben. Die ist dann auch noch gut ausgefallen.“
Für den Twistringer habe es in der Hauptstadt doppelten Grund zum Jubeln gegeben, ergänzt Prokurist Seevers. Denn Mirsad Berisa feierte am 29. Oktber auch noch Geburtstag.

Nach dem Abitur 2015 am Hildegard-von-Bingen-Gymnasium hat der Twistringer mit einem Stipendium der Deutschen Stiftung „Geh deinen Weg“ seine Ausbildung in Bassum begonnen. Im Januar 2018 wird er fertig sein. Und was dann? Berisa: „Ich sehe mich eher in der Kundenberatung, als ein Wegbegleiter.“ Und Joachim Seevers betont: „Natürlich möchten wir gerne mit Mirsad Berisa weitermachen.“