Presse-Artikel

Trio Royal vertreibt Winterblues

Schwungvolles und mitreissendes Konzert in der Bassumer Volksbank

Kreiszeitung 30.01.2017

Christian Klüver, Ralf Stahn und Andy Einhorn als Trio Royal auf der Jailhouse Bühne

Von Angelika Kratz


BASSUM. Spätestens seit Samstagabend weiß die Fangemeinde des Bassumer „Jailhouses“,
wie effektiv gegen den Winterblues angegangen wird. Die Rezeptur ist denkbar einfach, dennoch nicht ohne Risiken und ansteckende Nebenwirkungen. Man nehme als Hauptbestandteil die musikalische Zutat mit dem Trio Royal, garniere die Schalterhalle der Volksbank mit Bierbänken und fröhlichen Menschen, gebe noch einen kleinen Schuss Weiß oder Rotwein mit Knabbergebäck oben drauf und ab geht’s.

Zum vierten Mal fand im ehemaligen Bassumer Amtsgericht und der Polizeistation mit Gefängnis ein „Jailhouse-Konzert“ statt. Glücklich schätzte sich Organisatorin Kirstin Högemann, das Trio Royal für Bassum verpflichtet zu haben. „Die habe ich persönlich
kennengelernt und war einfach begeistert.“ Recht sollte sie mit ihrer Meinung behalten, denn mit dem Swingstück „Bei mir bistu shein“ aus dem Jahr 1938 startete die Reise, und Glenn
Miller nahm die vielen Gäste mit auf eine „sentimental journey“. Der „Chattanooga Cho-
Cho“, dampfte und pfiff, und die ersten Füße und Stimmen setzten sich in Bewegung. „I’ll be your baby tonight“ schwor musikalisch Bob Dylan und mit einem Blick auf die Glasplatte im Fußboden und den ehemaliger Gefängnisraum grüßte das „Bassumer Steuerparadies“ zur bekannten Musik aus dem Dschungelbuch. Sicherlich erstmalig wird der überwiegende Teil des Publikums eine Nasenflöte erlebt haben. Die beherrschte Percussionist Christian Klüver
meisterlich. Ihm zur Seite stand der Kontrabass mit Ralf Stahn und Andreas Einhorn mit der Gitarre. Das Trio überzeugte nicht nur durch viele Soloeinlagen, sondern immer wieder durch die sonoren Stimmen und die witzigen Umtextungen bekannter Melodien.

Tontechniker Nicky Fischer erhielt eher unfreiwillig Bühnenpräsenz. Gelegentlich musste er auf der improvisierten Bühne nach tückischen Kabeln schauen. So erhielt der beste Mann im Hintergrund auch im Scheinwerferlicht seinen verdienten Applaus.

„My girl“ sang das Publikum vielleicht nicht passend für einen Tontechniker geeignet mit, ließ sich zum italienischen Schmachtfetzen „Mama“ mitreißen und wurde immer mutiger und hörbarer. Holger Ochs, abendlicher Gast auf der zweiten Bierbank vor der Bühne, wusste
als Hobbysänger sogar einen kleinen textlichen Ausfall zu überbrücken und fing dafür als Dankeschön eine Nasenflöte. Die traute er sich allerdings nicht gleich auszuprobieren, denn die Künste eines Christian Klüver waren einfach beeindruckend. Der dichtete in der Pause aus fünf Zufallsworten des Publikums einen mitreißenden Song über das Leben in einer Zelle
und die Reue eines Bankräubers. „So schön, so schön war die Zeit“ steigerte sich zum
Sommersong „Ich war 16 und sie 31“ von Peter Maffay. Wunderbar die Interpretation von Andreas Einhorn, der die volle Unterstützung eines zunehmend aus dem Häuschen kommenden Publikums erhielt.

Mit „Wonderful World“ war der letzte Gedanke an Winterblues vergessen. Für das Publikum war klar: „Die wollen wir nicht gehen lassen.“ Ralf Stahn, Andy Einhorn und Christian Klüver verlagerten ihre kleine Bühne kurzerhand mitten ins Publikum. Es wurde weiter bis tief in die Nacht gesungen und geklatscht.