Presse-Artikel

"Null-Zins ist eine Riesenkatastrophe"

Volksbank-Vorstand geht in den Ruhestand

Kreiszeitung vom 25.11.2016

BASSUM  „Das ist ungewohnt“, gibt Ulrich Greschuchna mit einem Lächeln zu. Wenn er sonst die Presse in der Volksbank in Bassum zu Gast hatte, ging es um Themen, die die Bank betreffen. Entwicklungen, Bilanzen, Zahlen. Diesmal geht es um ihn. Denn der 60-Jährige, der 20 Jahre lang im Vorstand der Volksbank war, hat heute seinen letzten Arbeitstag.

So richtig realisiert habe er das noch nicht, meint Greschuchna und ist sicher, dass es sich „seltsam“ anfühlen wird, nach all den Jahren in einen neuen Lebensabschnitt zu starten. Zwar freut er sich auf die freie Zeit, doch gleichzeitig ist er sicher, dass ihm auch etwas fehlen wird. „Die Kollegen, die Mitarbeiter, die Kunden“, zählt er auf. Nie hat er daran gezweifelt, den richtigen Beruf für sich gefunden zu haben. „Ich war immer eher ein Kopfmensch und Mathematik hat mir Spaß gemacht.“

1977 begann der aus Bücken kommende Greschuchna seine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Volksbank in Hoya. Dort blieb er, bis sein Chef ihm riet, ein Praktikum bei der Raiffeisen-Warengenossenschaft Hilgermissen zu machen, um sich auf den Prüfungsdienst beim Genossenschaftsverband vorzubereiten. Bei der Bank Hoya habe er keine Aufstiegschancen. Greschuchna begann im Juli 1980 sein Praktikum, wo der „Kopfmensch“ auch mal zur Schippe greifen musste, um Getreide zu schaufeln. „Aber das hat Spaß gemacht“.

Er wurde Prüfungsassisent und stieg 1983 zum Verbandsprüfer auf. In diesen Jahren sei er viel herumgekommen. Doch eigentlich entspricht das nicht dem Naturell des 60-Jährigen, der sich als „bodenständig“ und heimatverbunden bezeichnet, was man daran sehen könne, dass er in Hoya lebe – nahe an seinem Geburtsort. 1996 kam er nach Bassum.

Viel hat sich verändert, seit er mit 21 Jahren seine Ausbildung begann. „Einschneidend war die Lehman-Pleite“, so Greschuchna. Die habe die Welt verändert. „Obwohl wir in keinster Weise dafür verantwortlich waren, hat sie uns alle getroffen. Seitdem gibt es mehr Regulatorik. Das heißt: mehr Arbeit, mehr Papier, mehr Kontrolle. „Das Image des Bankers hat sehr gelitten“, bedauert er. Man werde in einer Art „Sippenhaft“ genommen. Es heißt nur noch „die Banken“. Das störe, denn „wir waren ja niemals unter irgendeinem Rettungsschirm. Wir sind hier vor Ort, nicht anonym. Da fühlt man sich manchmal ungerecht behandelt.“

Die Veränderungen im Bankwesen, wie die Digitalisierung, sieht er gelassen. „Ich bin sicher, dass künftig immer mehr Geldüberweisungen online abgewickelt werden. Aber die persönliche Beratung, das Gespräch von Mensch zu Mensch wird sicher nicht so schnell aus der Mode kommen. Solche Beratungen über Finanzen sind auch immer etwas intimes, sie sind wichtig und leben vom Vertrauen.“

Was wünscht sich Greschuchna für die Zukunft? „Es wäre gut, wenn die Regulatorik heruntergeschraubt werden würde – doch das wird nicht geschehen. Noch wichtiger wäre mir, dass die Kunden wieder Zinsen auf ihr Erspartes bekommen.“ Den jetzigen Zustand bezeichnet er als „Riesenkatastrophe“ und die Auswirkungen auf die nächste Generation als „verheerend“. Er wird die Entwicklungen weiter verfolgen. Doch er möchte sich auch seinen Hobbys widmen, wie dem Tischtennisspiel, und als „Nordsee-Fan“ mit seiner Frau Ausflüge an die Küste unternehmen. Eine Weltreise reizt ihn hingegen gar nicht. „Ich mag es ruhig“, sagt er schmunzelnd.  juk