Kommentar

Eheglück hängt vom Kunden ab

Claudia Ihmels über den Zusammenschluss der Volksbanken

Syker Kurier vom 05.11.2016

Die Volksbank Syke traut sich. Aufsichtsrat und Vorstand planen eine „Liebesheirat“ mit der Volksbank Delmenhorst Schierbrok, wie in dieser Woche bekannt wurde. Stimmt die Vertreterversammlung zu, soll 2018 Hochzeit gefeiert beziehungsweise die Fusion vollzogen werden.

Eine überraschende Nachricht – allerdings nur auf den ersten Blick. Schaut man über die Grenzen des Landkreises Diepholz hinaus, sind Fusionen von Regionalbanken und regionalen Kreditgenossenschaften längst an der Tagesordnung. Die Hintergründe sind offensichtlich: Digitalisierung und zunehmende Konkurrenz durch Direktbanken, die niedrigen Zinsen und mehr Bürokratie durch Regulierungen für die Finanzbranche. Gleichzeitig unterhalten gerade die regionalen Banken ein umfangreiches Geschäftsstellennetz und setzen stark auf Service und Beratung. Das ist teuer und umso schwerer gegenzurechnen, wenn auf der anderen Seite etwa durch die niedrigen Zinsen die Einnahmen schrumpfen.

Bei den Geschäftsstellen hat die Volksbank Syke bereits reagiert, im Juni wurden an sechs Standorten die Schalter geschlossen, stattdessen ein telefonisches Service-Team aufgebaut und das Beratungsangebot ausgebaut. Es ist gut, dass der Vorstand nun betont hat, dass es im Zuge der Fusion zumindest zur Zeit nicht zu weiteren Einschnitten in dieser Hinsicht kommen soll. Denn gerade die Kundennähe vor Ort ist das Pfund, mit dem die regionalen Banken im Wettbewerb wuchern können. Und einige Kunden werden ob der aktuellen Nachrichten sicherlich skeptisch geworden sein, ob dies auf Dauer Bestand haben wird. Für die Volksbank wird es nun wichtiger denn je sein, den Spagat zwischen ihrem traditionellen Verständnis und einer zukunftsfähigen Neuausrichtung am Markt zu schaffen. Denn so oder so: Bei der „Liebesheirat“ der beiden Banken kommt es nicht nur auf das gegenseitige Vertrauen der „Ehepartner“ an – entscheidend für die Zukunft einer solchen Ehe ist die Treue der Kunden.

claudia.ihmels@weser-kurier.de