Presse-Artikel

Farben statt Raben

Die Künstlerin Gudrun Mahlstedt stellt ab Donnerstag, 13. Oktober, ihre Werke in Stuhr aus

Regionale Rundschau vom 11.10.2016

VON INA FRIEBEL

Gudrun Mahlstedt mit einem der Bilder, das auch in der Volksbank zu sehen ist. (Foto: Janina Rahn)

Stuhr. Köpfe, Fische, Blumen oder Formen – Hauptsache intensive Farben. Deshalb malt die Künstlerin Gudrun Mahlstedt mittlerweile am liebsten mit Öl. Angefangen habe sie als Teenager mit Portraits, erzählt die 67-Jährige. „Am liebsten Paul McCartney oder schöne Frauen.“ Später begann sie mit Aquarell zu arbeiten. Besuchte unterschiedliche Kurse und blieb diesem Stil mehrere Jahrzehnte treu – bis sie Ende der 1990er-Jahre aus Neugier einen Öl-Mal-Kurs besuchte. „Das hat mich so fasziniert, dass ich dabei geblieben bin“, sagt sie heute. Zwar verwende sie auch ab und zu Acryl, aber „80 bis 90 Prozent meiner Bilder male ich mit Öl.“ Deswegen habe sie ihre anstehende Ausstellung in Stuhr auch „Oil or Nothing“ genannt. Die Idee sei ihr gekommen, als sie das Lied „All or Nothing“ von den Small Faces gehört habe.

„Öl kann man noch nach Tagen bearbeiten, weil es nicht so schnell trocknet“, schwärmt die Künstlerin, die auch schon Pastellmalerei ausprobiert hat. „Aber das war mir etwas zu staubig“, räumt die Moordeicherin ein. Die Auswahl der Motive ist bei den Werken der 67-Jährigen fast grenzenlos. „Ich male eigentlich alles: Landschaften, Blumen, Portraits und auch nicht Gegenständliches“, zählt Mahlstedt auf, die zwischen geplanten und ungeplanten Bildern unterscheidet. Geplant seien jene, die etwas Gegenständliches zeigen. „Bei ungeplanten Bildern trage ich die Farben auf, die mir an dem Tag gefallen und schaue, was daraus wird“, erzählt die Künstlerin. Dabei spreche ihr ein Zitat von Picasso ganz besonders aus der Seele: „Ein Bild ist nicht von vornherein fertig gestellt. Während man daran arbeitet, verändert es sich in gleichem Maße wie die Gedanken.“

Manchmal habe sie eine Idee und am Ende werde etwas ganz anderes daraus, so Mahlstedt. Eines dieser Werke hängt bei der Künstlerin im Wohnzimmer. Ein großformatiges Bild, das von Formen in blau-grün-türkis- Tönen dominiert wird. „Ursprünglich waren Raben darauf“, verrät die Künstlerin. „Als es trocken war, habe ich es übermalt.“ Auch das Bild eines italienischen Gartens habe sie schon komplett übermalt. Der Grund: „Als es fertig war, fand ich es langweilig.“ Im Nachhinein tue ihr die Entscheidung zwar ein wenig leid, aber „nun ist es so.“ Manchmal hole sie Bilder auch nach zehn Jahren wieder hervor, um sie zu übermalen.

Momentan interessiert sich Gudrun Mahlstedt für den polnischen Künstler Igor Mitoraj, der sich vor allem antiken beschädigten Köpfen auseinandersetzt. „In Anlehnung an diese Idee arbeite ich gerade an einem Bild, auf dem ein nicht-menschlicher Kopf auf der Seite liegt“, erläutert Mahlstedt. Eine weitere Leidenschaft der Moordeicherin ist Ägypten. „Ich male immer, was mich fasziniert“, sagt sie und ergänzt: „Malen ist eine große Freiheit, weil man machen kann, was man möchte. Unabhängig von Farben und Größe.“ Am liebsten male sie nachmittags, aber auch spätabends im Nachthemd oder frühmorgens nach dem Aufstehen zieht es die Künstlerin in ihr Arbeitszimmer.

15 bis 20 ihrer Werke stellt Gudrun Mahlstedt ab Donnerstag, 13. Oktober, in der Stuhrer Volksbank (Blockener Straße 2) aus. Vor allem neue Werke gibt es dann zu sehen. „Ich möchte bei meinen Ausstellungen möglichst keine Bilder zeigen, die schon einmal irgendwo hingen“, sagt die Künstlerin. So zeigt sie unter anderem ein Werk, dessen Mittelpunkt eine religiöse Figur umgeben von Farben und Formen bildet. In ein anderes Bild hat Mahlstedt eine Familienurkunde aus dem Jahr 1919 eingearbeitet. Aber auch Fische und Blumen sind auf der Bilderauswahl zu sehen. Eine Besonderheit ist das Bild „Die weißen Tauben sind müde“, das Mahlstedt in Pink- und Rosatönen auf eine schwarze Leinwand gemalt hat.

Die Ausstellung eröffnet um 19 Uhr. Gudrun Mahlstedt ist dann ebenfalls in der Volksbank. Letzter Ausstellungstag ist der 3. November.