Presse-Artikel

In sechs Filialen schließen die Schalter

Volksbank Syke will mit einer Umstrukturierung auf das veränderte Kundenverhalten reagieren

Syker Kurier vom 26.02.2016

In der Volksbank Filiale an der Hauptstraße in Leeste werden auch ab Juni weiterhin Mitzarbeiter am Schalter stehen, um Geld auszuzahlen sowie Überweisungen entgegenzunehmen. An sechs anderen Standorten wird es diesen Service dann jedoch nicht mehr geben. Foto: Janina Rahn

Von Claudia Ihmels

Landkreis Diepholz. Bargeld abheben und einzahlen, Überweisungen tätigen und Daueraufträge einrichten, das wird ab Juni an sechs Standorten der Volksbank Syke nicht mehr am Schalter bei einem Mitarbeiter möglich sein. Betroffen sind Moordeich, Heiligenrode, Nordwohlde, Heiligenfelde, Neubruchhausen und Neuenkirchen. Stattdessen richtet die Volksbank ein Service-Team ein, das telefonisch erreichbar sein wird, um eben diese Leistungen anbieten zu können. Ausgebaut wird hingegen das Beratungsangebot, das nach Vereinbarung an zwölf Standorten nutzbar sein wird. Damit reagiere man auf das veränderte Kundenverhalten im Zuge des digitalen Wandels, begründeten die beiden Vorstände Carl-Ludwig Behrens und Ulrich Greschuchna die Umstrukturierung.

„Wir mussten feststellen, dass die Kunden deutlich weniger in unsere Geschäftsstellen kommen“, sagte Greschuchna am Donnerstag. Dieser Erkenntnis vorausgegangen war eine lang angelegte Analyse. Seit Frühjahr 2015 gebe es eine Projektgruppe, die sich „mit der notwendigen Anpassung der Mitglieder- und Kundenbetreuung an diese Entwicklungen“ beschäftige, so die Vorstände. Die Auswirkungen des digitalen Wandels inklusive des Aufstiegs von Online- und Mobile-Banking zeige sich auch im Geschäftsgebiet der Volksbank Syke, zu dem Stuhr, Weyhe, Syke, Bassum, Neuenkirchen und Riede gehören.


Für die Analyse seien in den bislang 16 Filialen an 37 Arbeitstagen 30 000 Kundenkontakte mit 40 000 Serviceaufgaben erfasst worden. Auch die Entwicklung im Online-und Mobile-Banking sei ausgewertet worden. „Das Ergebnis hat uns nicht überrascht“, sagte Behrens. Die Kunden würden deutlich weniger den stationären Service in den Filialen nutzen, stattdessen seien die Quoten im digitalen Service gestiegen. Besonders junge Leute würde man deutlich seltener in den Filialen sehen als früher. Diese Erkenntnisse habe die Projektgruppe in ein „zukunftsfähiges, modernes Betreuungskonzept“ einfließen lassen. Eckpfeiler seien dabei mehr Zeit für Beratung sowie ein „Mehrkanal-Angebot im Service“ gewesen. „Da muss man nicht fragen, ob man das gut oder schlecht findet, das ist die Welt und der wollen wir uns stellen“, sagte Behrens.

An den Standorten in Moordeich, Heiligenrode, Nordwohlde, Heiligenfelde, Neubruchhausen und Neuenkirchen seien die Kundenfrequenzen deutlich zurückgegangen, deshalb werde dort ab Juni kein persönlicher Service mehr angeboten. Die Selbstbedienungszonen mit Geldautomauten und Kontoauszugsdrucker würden aber vor Ort bleiben. Erhalten bleiben zehn Standorte, an denen Mitarbeiter weiterhin am Schalter stehen. Das sind Bassum, Brinkum, Kirchweyhe, Stuhr, Syke, Barrien, Groß Mackenstedt, Leeste, Riede und Varrel. An zwölf Standorten – neben den zehn eben genannten gehören dazu Neubruchhausen und Neuenkirchen – will die Volksbank künftig Beratungen nach Vereinbarung anbieten, das dann auch von 8 bis 20 Uhr. Dazu kommen zehn Selbstbedienungsstandorte.

Am Standort Stuhr werde zudem ein Service-Team mit zwölf Mitarbeitern eingerichtet, das montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr zum Ortstarif erreichbar ist. Dort könnten alle Serviceleistungen erledigt werden. „Außer der Bargeld-Service“, sagte Behrens. Und Greschuchna betonte: „Das ist kein Call-Center. Das sind alles ausgebildete Bankkaufleute.“

Die Vorstände gehen davon aus, dass das Online- und Mobile-Banking in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnt. Auf die Frage, ob dadurch weitere Filialen in Gefahr sind, antworteten sie aber mit Nein. „Das gilt für den Service wie für die Beratung“, sagte Behrens. Ebenso sei die Umstrukturierung „kein Stellenabbauprogramm“. Die Volksbank Syke beschäftigt 180 Mitarbeiter.

Noch unklar sei derzeit, was mit den nun bald teilweise leer stehenden Schalterbereichen der Filialen passiert. „Es gibt noch kein Konzept“, sagte Greschuchna. Man habe zuerst die Mitarbeiter und Mitglieder über die Veränderungen informiert. Die Vorstände schlossen aber nicht aus, dass an Standorten, an denen zukünftig nur noch ein Selbstbedienungsterminal steht, nach kleineren Räumen in der Nähe gesucht werden könnte.