Presse-Artikel

"Die Tendenz ist rückläufig"

Bassumer Betriebe setzen auf Werbung

 

Kreiszeitung vom 21.08.2014

Bassum. „Betriebe machen Jagd auf Auszubildende“, titelten kürzlich die Medien. Wie sieht es vor
Ort aus? Die Kreiszeitung fragte nach. „Es hat sich in diesem Jahr keiner bei uns beworben“, sagt Wolfgang Schmidt. Er suche immer noch nach einem Auszubildenden. „Es wird immer schwieriger, ordentliche Lehrlinge zu finden“, klagt der Geschäftsführer der Schmidt Bedachungen GmbH. Auch auf seine Anzeige bei der Agentur für Arbeit habe sich niemand gemeldet. Er hofft, durch Werbung punkten zu können.

Maren Berger, Assistentin der Geschäftsleitung der Firma KMH Metallbau, weiß, wie wichtig Werbung ist. „Wir haben früher nie viel Werbung gemacht. In den vergangenen zwei Jahren haben wir aber Anzeigen geschaltet, weil es sonst keine Bewerbung gegeben hätte.“ Auch auf der Berufs-Informations-Börse (BIB) war die Firma präsent. „Das hat tatsächlich viel gebracht“, sagt Berger. Für dieses Jahr konnten alle Ausbildungsplätze besetzt werden. „Ich denke, wir haben positive Aussichten“, stellt sie fest. „Wir müssen nur lernen, vor die Tür zu gehen und uns zu  präsentieren.“ Umdenken. Werben. Präsenz zeigen. Das ist auch die Strategie der Werner Bremer Haustechnik. „Wir versuchen vieles“, sagt Silke Bremer. Sie selbst sitzt im Arbeitskreis Schule und
Wirtschaft, um direkten Kontakt zu Schülern herzustellen. Die Eigenwerbung habe durchaus etwas gebracht, betont sie. „Dieses Jahr haben wir zwei Auszubildende. 2013 hatten wir keine.“ Ihr Fazit fällt nüchtern aus: „Die Zahl der Bewerber geht drastisch nach unten.“

Kurt Popp, Heimleiter des Seniorenheims „Haus Drei Linden“, stimmt ihr zu: „Die Tendenz ist rückläufig.“ Und nicht nur das: Die Anzahl der Abbrecher sei in seinem Betrieb ebenso gestiegen. „Die Arbeit als Altenpfleger wird von vielen unterschätzt.“ Popp empfiehlt Bewerbern deshalb vorher ein Praktikum. Viele würden sich zudem „auf den letzten Drücker“ bewerben, hat er festgestellt. Dieses Jahr kann Popp aufatmen: „Alle Ausbildungsstellen sind besetzt.“

Jürgen Köberlein, Ausbildungsleiter der Volksbank Syke, hat die freien Plätze für dieses Jahr ebenfalls vergeben können: „Die Quantität ist zurückgegangen, aber dafür ist die Qualität der Bewerber besser geworden.“ Noch habe die Volksbank keine Probleme, geeignete Nachwuchs-kräfte zu finden. Aber Köberlein ist sich sicher: „Der demografische Wandel wird auch uns einholen.“