Presse-Artikel

Liebesruf bei Wasser und Brot

Jailhouse Jazz feiert erfolgreiche Premiere in der Bassumer Volksbank / School House Seven begeistern die Gäste

Syker Kurier vom 27. Januar 2014

Von Elfi Bultjer

Bassum. Die Bassumer Volksbank, früher ein Gefängnis, wurde Sonnabend zum Schauplatz des ersten Jailhouse Jazzkonzerts in der Lindenstadt. Passend zum Auftrittsort setzten sich die Musiker von School House Seven auch gleich ihre Knastmützen auf.

„Willkommen im Gefängnis bei Wasser und Brot“, hieß es gleich beim Empfang in der Bassumer Volksbank. Dort stieg am Sonnabend nämlich das erste Jailhouse Jazz Konzert. „Toll, wie gleich beim Einlass schon Bezug genommen wurde auf die Räumlichkeiten und man mit Schmalzbrot und einem Glas Wasser empfangen wurde“, freuten sich die Eheleute Holtz aus Bassum. „Wir lieben die Konzerte von School House Seven“, erzählte Sigrid Holtz, die mit ihrem Mann schon viele Konzerte der Jazzband besucht hat. Doch das Konzert im heutigen Bassumer Volksbankgebäude und ehemaligen Gebäude des Amtsgerichts mit eigenen Gefängniszellen war eine Premiere für alle Beteiligten.

„Mit Ausstellungen haben wir uns schon einen guten Namen gemacht, und jetzt versuchen wir es mit Musik“, erzählte Kirstin Högemann, Leiterin der Abteilung für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit der Volksbank Bassum. „Wir können uns vorstellen, einmal im Jahr ein Konzert in unseren Räumen zu organisieren. Begonnen hat heute School House Seven, und wir machen damit auch das Eröffnungskonzert für das zehnjährige Jubiläum dieser Band.“ erklärte Högemann stolz. Dass ein Konzert in der Volksbank, mit historischen Gefängniszellen unter den Füßen, eine gute Idee sei, habe sich schon beim Kartenvorverkauf im Dezember abgezeichnet.

„Wenn ich in ihre Gesichter blicke, sehe ich, dass dieses Experiment, das wir heute angefangen haben, jetzt schon gelungen ist“, sagte der Leiter der Volksbank Bassum, Carl-Ludwig Behrens, in seiner Willkommensrede. Und nicht nur die Gesichter der Konzertbesucher strahlten. Auf rustikalen Biergartenbänken sitzend, konnte sich kaum einer im Publikum der Stimmung und dem Rhythmus entziehen. Die Gäste wippten mit den Füßen, wiegten ihre Schultern zur Musik oder schnippten mit den Fingern. Die Lieder wurden immer wieder mit Applaus begleitet.

Mit „When the Saints go Marching in“ eröffneten School House Seven ihr Konzert. Dem folgten „At a Georgia Camp Meeting“, „Some of These Days“, „St. James Infirmary“, „Bill Bailey“, „Bei mir bist Du schön“, „All of Me“, „Tishomingo Blues“, „Muskrat Ramble“ und weitere Stücke. Bei dem Lied „Jailhouse Stomp“ stand plötzlich siebenmal der Gefangene Nummer 283 auf der Bühne. Ein kleiner Spaß, den sich die sieben Bandmitglieder ausgedacht hatten, waren gestreifte Mützen mit einer aufgedruckten Nummer, im Stil der damaligen Gefängniskleidung. Da es unter den Mützen schnell zu warm wurde, setzten sie die Kopfbedeckung aber gleich nach dem Lied wieder ab, was dem Effekt aber keinen Abbruch tat.

Initiator und Bandleader Berthold B. Kollschen begrüßte seine Zuhörer mit Informationen über die Geschichte des Gebäudes, der heutigen Volksbank, und sagte begeistert: „Ich konnte es kaum fassen, als ich am Donnerstag hörte, dass Jailhouse Jazz ausverkauft ist.“ An diesem Abend bekam die Band Unterstützung am Bass mit Ulrich Lütjens und am Banjo mit Per Graner, die spontan die Stammbesetzung an diesen Instrumenten ersetzten. Mit den übrigen fünf Bandmitgliedern klappte das Zusammenspiel mit den beiden Ersatzspielern hörbar gut und harmonisch. Per Garner übernahm den größten Teil des Gesangs.

Als besondere Einlage zitierte Kollschen immer wieder aus alten Zeitungsberichten über das Amtsgericht. Die Geschichten mit den Überschriften: „Hamburger SPD-Mitglied eingebuchtet“, „Ehebruch – er und sie wandern ins Gefängnis“, „Bis November ausgebucht – Arrestzellen im Bassumer Amtsgericht. Demnächst kommen auch Syker Wochenendurlauber“ und „Rechtsanwalt mit Pyjama ins Amtsgericht“ sorgten für zusätzliche Stimmung und allgemeines Gelächter im Publikum.

Zum Stück „Creole Love Call“, das laut Kollschen zum Träumen einlädt und „bei geschlossenen Augen einen Schauer über den Rücken gehen lässt“, probierten die Musiker dann einen besonderen Surround-Effekt. Olaf Wetjen und Berthold B. Kollschen platzierten sich mit ihren Blasinstrumenten rechts und links vom Publikum und beschallten das Publikum aus drei Richtungen mit ihrem „Love Call“, was übersetzt so viel wie „Ruf der Liebe“ bedeutet. Dieser Einsatz kam bei den Zuhörern natürlich gut an, die nur ungern nach dem Schlusslied „Ice Cream“ die Band in den wohl verdienten Feierabend verabschiedeten.

Aber auch dort half kein Applaus, denn eine Bank hat schließlich feste Zeiten, zu denen aus Sicherheitsgründen das Gebäude geräumt sein muss, was dann auch die Anhänger der Jazzmusik letztendlich akzeptierten.