Presse-Artikel

Jailhouse Jazz in der Bank

„School House Seven” spielen zwischen Schreibtischen und Computern

Kreiszeitung vom 27. Januar 2014

Die Band „School House Seven” während ihres Konzerts im ehemaligen Gefängnis in der Volksbank Bassum • Foto: Detlef Voges

Von Detlef Voges

Bassum • Die sieben Musiker um ihren Chef Berthold B. Kollschen verbreiteten mit ihrem New Orleans Sound gute Laune. „Einfach super“, meinte eine Sykerin, die sich die Live-Musik im „Jailhouse“ nicht entgehen lassen wollte.

Die Idee dazu hatte Kirstin Högemann. Die Marketing-Leiterin der Volksbank wollte unabhängig von Ausstellungen eine neue Marke im Haus einführen. Die gute Beziehung zur Jazzband „School House Seven“ und das Jailhouse am Arbeitsplatz ließen die Marke schnell gedeihen. „Lass uns doch mal Jazz mit Jailhouse verbinden“ – mit dieser Message suchte Kirstin Högemann Mitstreiter. Als sie bei ihrem Chef Carl-Ludwig Behrens mit ihrer Idee offene Türen vorfand, folgte sie der Bank-Philosophie und machte den Weg frei. Schon vor Weihnachten waren mehr als 100 Karten verkauft. Bis zur Premiere folgte der Rest. „Wir haben ein volles Haus“, freute sich die Initiatorin am Samstag.

Einmal im Jahr möchte Kirstin Högemann künftig die Volksbank Bassum in einen Konzertsaal  verwandeln. Dabei soll es nicht nur Jazz sein. Die Jail-Marke sei durchaus offen auch für Rock oder Folk, sagt sie.

Zur Premiere gab es den guten alten Dixieland Jazz. Wo sonst die Bank-Mitarbeiter Geschäftliches erledigen, lauschte das Publikum zwischen Schreibtischen und PCs den Jazz-Traditionals wie „When the saints go marching in“, der „Bourbon Street Parade“, dem „Basin Street Blues“, „St. James
Infirmary“ oder „Ice Cream“.

Die Atmosphäre war locker. Die Jazzer steckten voller Spielfreude, die Zuhörer genossen den Dixie bei Schmalzbroten, Hot Dogs, Rotwein und Bier und gingen bewegungsfreudig mit. Pilotprojekte stecken mitunter voller Überraschungen. So fehlte der Band noch gut zwei Stunden vor dem Auftritt ein Bassist.

„Wir kennen uns erst eineinhalb Stunden“, stellte Kollschen Ulli Lütjens dem Publikum vor. Der Delmenhorster erwies sich als profunder Profi und fügte sich perfekt in das Septett ein.

„School House Seven“ – das ist gepflegter Dixieland Jazz zum Mitwippen. Flott wie bei „Everybody loves my baby“ oder sanft wie bei „Creole love call“. Dafür mischte sich Kollschen sogar unter das Publikum und spielte von einer Sitzbank aus.

Etwas Besonderes hatten sich die Musiker zum Thema Gefängnis ausgedacht. Für die Stücke „Jailhouse Stomp“ und „Canal Street Blues“ setzten sie alte gestreifte Knastmützen mit
Nummern auf.

Das fast dreistündige Live-Konzert würzte der Band-Chef mit ein paar Kurzgeschichten über das Gefängnis und das frühere Amtsgericht, in dem die Volksbank nach dem Umbau seit gut zehn Jahren untergebracht ist. So war 1935 ein Hamburger SPD-Mitglied wegen Beleidigung der Reichsregierung zweieinhalb Monate Gast im Bassumer Gefängnis. 1983 erschien ein Syker
Anwalt im Pyjama und in Pantoffeln vor dem Richter. Der Mann hatte verschlafen. Der Jailhouse-Auftakt hatte die richtige Mischung mit Unterhaltungswert. Mal sehen, was Kirstin Högemann
künftig noch aus dem Hut zaubert.