125 Jahre Volksbank in Stuhr

Ein Rückblick

Als sich vor 125 Jahren Männer aus dem Bezirk der Gemeinde Stuhr zusammenfanden, um auch für ihre Heimatgemeinde eine Raiffeisenkasse zu gründen, ahnten sie sicherlich nicht, welche Entwicklung diese Bank nehmen würde.

Gründung

Am späten Nachmittag des 19. April 1896 fand sich im kleinen Versammlungsraum von Martens „Lindenhof“ eine kleine Gruppe ernster Männer zusammen. Es ging hier um die Gründung eines Kreditinstitutes auf genossenschaftlicher Grundlage. Die Leitworte „Miteinander - Füreinander“ und „Einer für alle, alle für einen“. In der Mehrzahl waren es Bauern und Landwirte, aber auch Pastor Dannemann und Lehrer Kleyböcker waren dabei.

18 Mitglieder unterschrieben das Statut am 12. März 1897 und wählten den Vorstand:

  • 1. Bauer Berend Corssen, Stuhr, zum Direktor
  • 2. Bauer Carl Kothen, Stuhr, zum Rendanten
  • 3. Landwirt Diedrich Eggers, Obernheide, zum Stellvertreter

sowie den Aufsichtsrat:

  • 1. Landwirt Hermann Cordsen, Moordeich,
  • 2. Organist und Leher Georg Kleyböcker, Stuhr
  • 3. Bauer Diedrich Detken, Varrel I
  • 4. Landwirt Heinrich Heidmann, Obernheide
  • 5. Landwirt Johann Stindt, Varrel II

Der Geschäftsverkehr wurde im Hause des Rendanten abgewickelt, fast in einem familiären Rahmen. Die Geschäftsstunden wurden auf Dienstag und Freitag, 19 - 20 Uhr festgesetzt, außerdem ganztägig am 1. Mai und 1. November eines jeden Jahres.

Die Geschäftsordnung bestimmte, dass die Gesamteinlage zunächst 100.000,- Mark nicht überschreiten sollten, der Höchstbetrag des Einzelkredites wurde auf 3.000,- Mark festgesetzt. Die am Anfang festgesetzten Zinssätze betrugen: 3,5 %  für Spareinlagen - 3 % für Einlage in laufender Rechnung - 4,5 % für Vorschüsse und Darlehen.

Erster Weltkrieg, Nachkriegszeit und Inflation

Die ländlichen Spar- und Darlehenskassen mussten seit Ende 1914 in zunehmendem Maße kriegswichtige Aufgaben erfüllen. In Erinnerung ist noch die Abgabe privater Goldbestände und die Zeichnung von Reichs(Kriegs)anleihen.

Da es wegen der Bewirtschaftung wenig zu kaufen gab, flossen den Banken zwangsläufig Mittel zu, die zu einer starken Ausweitung des Bilanzvolumens führten. Dies trug bereits Anzeichen einer kommenden schleichenden Geldentwertung in sich, die dann 1923 zur totalen Inflation führte. Während im Jahre 1920 etwa 12,- Mark noch den Wert einer Goldmark hatten, entsprachen ein Jahr später 1.750,- Mark einer Friedensmark von 1914. Aus Millionen wurden erst Milliarden, dann Billionen. Die Schlussbilanz aus dieser Zeit ergab die heute kaum lesbare Zahl von 366.493.163.604.854,- Mark.

Zwischen Inflation und Zweitem Weltkrieg

Schwerste Ereignisse kamen mit katastrophaler Wucht: Die Inflation und die schwere Wirtschaftskrise 1929/31 brachte zahlose Unternehmenszusammenbrüche, eine erschreckend hochflutende Arbeitslosigkeit und die Verzweiflung der Massen mit sich. Konsumrückgang, Produktionsstop, allgemeine Kreditnot, Existenzvernichtung bei Arbeitern, Rentnern, Handel und Gewerbe führten zur Radikalisierung der Menschen, zu den schweren politischen Auseinandersetzungen und schließlich zur Machtübernahme des Nationalsozialismus.
Aus kleinsten Anfängen heraus hatte sich die Bank einen bedeutenden Platz im Wirtschaftsleben von Stuhr erarbeitet, bis der Zweite Weltkrieg auch diese Aufbauleistung weitgehend zerstörte.

Zweiter Weltkrieg und Zusammenbruch

Die Genossenschaft erlitt einen schweren Verlust, als am 24. Juni 1944 der Rendant Johann Corßen nach einem Bombenangriff tot aus den Trümmern seines Hauses in Kladdingen geborgen wurde.

Die Geschäfte wurden Friedrich Riekers und später Fräulein Gisela Lürßen in Vertretung übertragen. Mit dem 8. Mai 1945 nahm der Krieg sein tragisches Ende. Noch in den letzten Kriegswochen wurde Stuhr zum Kriegsschauplatz und viele Häuser fielen in Schutt und Asche.

Auf der Generalversammlung am 29. September 1945 wurde Hermann Mehrens, Stuhrbaum zum Rendanten gewählt. Kaufmann Friedrich Jüchter, Stuhr stellte in seinem Haus einen Raum zur Verfügung, so dass alle Voraussetzungen für einen geordneten Geschäftsbetrieb wieder erfüllt waren.

Währungsreform und die Zeit bis 1960

Am 20. Juni 1948 erhielt jeder Einwohner gegen Hergabe des gleichen Betrages in alter Mark die neue Deutsche Mark als Kopfgeld. 20 Mark wurden einige Wochen später nachgezahlt. Betriebe erhielten ebenfalls eine Erstausstattung. Die Geldinstitute hatten ein gewaltiges Arbeitspensum abzuwickeln. Gesetzliche Vorschriften und Durchführungsverordnungen sahen in der späteren Folge auch die Erstellung von RM-Schlussbilanz und DM-Eröffnungsbilanz für den 21.06.1948 vor. Die Umstellung der Konten ließ die Reichsmarktguthaben rigoros zusammenschmelzen. Der Bank verblieben 20 % des RM-Eigenkapitals, wenig genug für den Beginn aber, wie wir heute wissen, genug für einen erfolgreichen Anfang.

Der Wiederaufbau der Gemeinde Stuhr und unserer Genossenschaft liefen fast parallel. War bis zum Jahr 1948 die Bank in überwiegendem Maße landwirtschaftlich orientiert, so richtete der Rendant Hermann Mehrens die Geschäftstätigkeit bewusst auf die gesamte Einwohnerschaft der Gemeinde aus. Die Spar- und Darlehenskasse Stuhr wurde unter seiner Leitung zu einer Bank für Jedermann.

Am 7. Oktober 1952 erlag Rendant und Bürgermeister Hermann Mehrens einem Herzschlag. Sein Sohn Werner Mehrens war fortan Rendant der Bank. Die seit 1950 gemietete untere Wohnung im Hause Martens, Stuhr reichte nicht mehr als Geschäftsraum aus. Der zunehmende Geschäftsverkehr erforderte größere Arbeitsräume und mehr Parkfläche. Im Oktober 1954 konnte der Neubau in zentraler Lage in Stuhr bezogen werden.

Entwicklung in den 60er und 70er Jahren

1960 wurde die Reichsmarkschlussbilanz durch die in DM überschritten und erreichte 3,3 Mio DM. Im weiteren Jahrzehnt hat sie sich mehr als verfünffacht. Diese Entwicklung ist etwa seit 1965 durch die rege Bautätigkeit in der Gemeinde und den damit verbundenen Zuzug an Einwohnern begünstigt worden.

Wegen der steigenden Einwohnerzahlen und zur individuellen Betreuung der Kundschaft eröffnete die Bank zwei Nebenstellen, und zwar in Moordeich (1961) und in Varrel (1967). 4 Angestellte und 3 Lehrlinge beschäftigte die Bank 1960, 1970 waren es bereits 18 Mitarbeiter und 3 Lehrlinge. 1968 sind wir der Raiffeisen-Datenverarbeitung Weser-Ems in Oldenburg angeschlossen. Der Bedarf an Personal wuchs, so auch der Bedarf an Arbeitsräume. Mit dem Neu- und Umbau im Jahre 1970 schaffte man zunächst genügend Raum. 

1976 folgte die Fusion mit der Volksbank Seckenhausen und den dazu gehörigen Filialen.

Die Technik hält Einzug

1981: Das Bankinformationssystem - Bisy schafft die direkte Verbindung zum Rechenzentrum

Wurden vor Einführung des Bankeninformationssystems die Konten noch auf Papierlisten geführt, so war es mit der direkten Verbindung zum Rechenzentrum erstmals möglich, Kontendaten unserer Mitglieder und Kunden per Datenleitung direkt abzufragen. Kontostände, Kontoumsätze sowie Buchungen konnten zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht über das Bankensystem erfolgen.   

1984: Der 1. Personal Computer (Einzelplatzrechner) zieht in die Volksbank Stuhr ein

Mit einer 10 MB großen Festplatte stand der erste Einzelplatzrechner ausschließlich der Innenrevision zur Verfügung. Genutzt wurde die Tabellenkalkulation Symphony von IBM sowie später die Textverarbeitung Text 4 ebenfalls von IBM. Der Kauf des PC schlug mit 14.000 DM zu Buche.

1984/85: Der Um- und Erweiterungsbau der Volksbank in Stuhr
Mit dem dritten Bauvorhaben an gleicher Stelle wurde hier ein neues Zentrum errichtet; zukunftsweisend mit dem ersten Selbstbedienungsbereich.

1986: Dialogverkehr - die Erweiterung der Datenverarbeitung
Mitarbeitende stehen mit Hilfe von Terminals und einer Datenleitung in direkter Verbindung zum Großrechner der Genossenschaftsrechenzentrale in Oldenburg. Aktuelle Informationen über Kontendaten und der automatische Nachtrag der Sparbücher ist somit schnell umgesetzt.  

1987/88: Der 1. Geldautomat und der 1. Kontoauszugsdrucker werden eingesetzt

So ging es weiter

1989 Mauerfall - Patenschaft zur Partnerbank in Köthen

Genossenschaftsbanken aus dem Westen halfen den Bankgenossenschaften in der DDR beim raschen Wandel. Besondere Herausforderungen waren unter anderem die schnelle Einführung der DM, die Produktvielfalt, das Mehr an Dienstleistung und die moderne Banktechnik. Partnerbank der Volksbank in Stuhr war die in Sachsen-Anhalt liegende Volksbank in Köthen.

1993: Verschmelzung der Volksbanken Bassum, Stuhr und Syke zur Volksbank eG, Syke

Die Filiale Stuhr wird Kopfstelle der Gemeinde Stuhr mit den Filialen Brinkum, Moordeich, Varrel, Groß Mackenstedt und Heiligenrode. Seit 2016 ist sie eines von fünf Kompetenzzentren der Volksbank eG, Syke.

Mehr zum 125. Jubiläum unserer Volksbank in Stuhr

Video-Rückblicke

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